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Gleichberechtigte Vater*schaft: 15 Tipps

"Wenn Feminismus bedeutet, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Freiheiten haben sollten, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität, ihrem Körper, dann steht es allen Menschen frei, sich dafür einzusetzen." (M. Stokowski) 

 

Ein feministischer Vater* zu sein ist in gleicher Weise möglich. Hier sind 15 Tipps für Männer* in heterosexuellen Beziehungen, die gleichberechtigte Vater*schaft anstreben:

 

1. Befrage deine eigene Erwartungshaltung und identifiziere diskriminierende Gedanken, mit denen du aufgewachsen bist. Arbeite daran, dich von diesen Denkweisen zu emanzipieren.


2. Informiere dich (z.B. auf dieser Webseite) und mache dir feministische Themen zu eigen (1). Lerne von Dir aus, was der Mental Load ist und was Equal Care bedeutet. Es ist nicht die Aufgabe deiner Partnerin*, dir das zu vermitteln; es handelt sich um eine Holschuld deinerseits. Es bringt nichts, wenn Nachhilfe in Sachen Gleichberechtigung auch noch auf der To-do-Liste deiner Partnerin* landet.

 

3. Erledige deine Hälfte der Aufgaben im Haushalt unabhängig von deiner Lohnarbeit. Wenn deine Partnerin* das Kind zuhause betreut, ist das ein Vollzeitjob. Wäsche, putzen, kochen, einkaufen etc. muss auch dann immer noch 50:50 zwischen euch geteilt werden (1;2).

 

4. Mache deutlich, dass du bereit bist, „das Kind temporär oder langfristig auch ganz alleine zu betreuen und zu versorgen (und) dafür (d)eine beruflichen Ambitionen erheblich zurückzufahren (...).“ (3)

 

5. Mache ebenfalls deutlich, dass du „das auch gut hinbekommen (wirst) und es den Kindern damit gut gehen kann“. (3)

 

6. Wenn deine Partnerin* (aufgrund ihrer Sozialisation oder anderweitiger Erfahrung) an einer Stelle einen Kompetenzvorsprung hat (oder zu haben scheint), tausche die Aufgaben so, dass du viel üben und schnell aufholen kannst (4). Dabei musst du nicht alles genauso machen wie sie. Finde ggf. deinen eigenen Weg.

 

7. Nimm mehr als zwei Monate Elternzeit und verreise in der Zeit nicht (1).

 

8. Sprich das Thema Finanzen an und überlegt zusammen, wie Kosten gerecht geteilt werden können. Wichtig ist auch, dass das Elternteil, das wegen eines Kindes kein oder weniger Einkommen hat, von dem anderen Elternteil als Ausgleich für die Sorge-Arbeit mitfinanziert wird, ohne sich dabei für eigene Konsumentscheidungen rechtfertigen zu müssen.

 

9. Schreibe niemals ein Buch über deine Elternzeit (1) und/oder nimm niemals einen Preis für deine väterlichen* Leistungen an.

 

10. Suche einen geeigneten Betreuungsplatz für dein Kind bzw. investiere genauso viel Zeit in die Suche wie deine Partnerin.

 

11. Hinterlege bei der Kita (o.ä.) deine Telefonnummer als Erstkontakt für Notfälle.

 

12. Rechne nicht mit Applaus. Frage dich vielmehr, ob die Frauen* und Mütter* in deiner Umgebung die Anerkennung erhalten, die sie verdienen (1).

 

13. Beherzige die 20 Tipps für genderneutrale Erziehung (5).

 

14. Tausche dich mit anderen Vätern* über eure Vater*schaft, Rollenerwartungen und Karriereknicks aus. BONUS: Gründe eine feministische Väter*gruppe.

 

15. Engagiere dich für/in Initiativen, die sich, wie die Neue Eltern*bewegung, für eine bessere Anerkennung von Care-Arbeit und Gleichberechtigung einsetzen, z.B. klische*esc e. V. oder beim Equal Care Day


(1) nach Stokowski, Margarete (2019): Lebensratgeber: Wie kann ich als Mann Feminist sein? 
(2) nach Cammarata, Patricia (2018): Aufgaben wirklich gleichberechtigt teilen
(3) König, Jochen (2016): Feministische Vaterschaft?!
(4) nach Cammarata, Patricia (2014): Ein Rant zum Begriff „Maternal Gatekeeping“
(5) Rosa-Hellblau-Falle/Let toys be toys 

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Kommentare: 1
  • #1

    Benjamin Andert (Dienstag, 13 Oktober 2020 13:41)

    Interessante Aufstellung, der ich in Teilen wesentlich widersprechen muss. Zu 2., vielleicht bin ich da eigen, aber ich habe mir stets Gedanken gemacht, was alles noch organisiert werden muss und was noch erledigt werden muss. Zu 3., wer sich bereit erklärt, Hausmann/-frau zu sein, kann nicht erwarten, dass der andere Partner auch noch 50% der Hausarbeit leistet. Gerne wäre ich Hausmann geworden, allerdings wollte meine Exfrau nicht arbeiten gehen (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Exfrau wünschte sich das wie sie es sagten, allerdings bedeutete dies, dass ich 50% des Haushalts, 50% der Kinderbetreuung und 100% der Lohnarbeit leisten sollte, was selbst für Menschen mit feministischer Weltanschauung als umgerecht zu verstehen sein sollte. Ach und für Kita und Co. musste ich auch sorgen, da die Frau nicht genug "Kompetenz " hatte um sich für die Belange der Kinder zu sorgen. Mit Applaus habe ich nie gerechnet, wüsste auch nicht wofür, ich bin bloß Vater. Aber egal wie die Frau sich in der Ehe/Beziehung anstellt, sie kann fast immer (93% laut Petitionsausschuss des Bundestages) die Kinder bekommen und somit, auch wenn viele Mütter meckern wie machtlos sie sind, irrsinnig Macht ausüben, sogar illegal handeln und sie wird dafür belohnt.